Triangle (鐵三角) - Two Disc Edition (2 Disc Set)

gesehen am 28.12.2007
DVD · Code 3Hong Kong · Action ⁄ Thriller · Milkyway Images · Hong Kong 2007

Besprechung

Drei Regisseure, ja drei Ikonen des modernen Hong Kong-Kinos drehen zusammen einen Film. Ein jeder von ihnen ist für 30 Minuten verantwortlich. Doch ergibt die Summe aus drei Meistern auch ein Meisterwerk?

Den Beginn darf Tsui Hark (Once Upon A Time In China I, II & III, Peking Opera Blues) machen. Er zeigt uns die drei Freunde Boo Sam (Simon Yam Tat Wah - Election I & II, Eye In The Sky), den Taxifahrer Ah Fai (Louis Koo Tin-Lok - Rob-B-Hood, Flash Point) und den Antiquitätenhändler Mok Chung-yuan (Sun Honglei - Seven Swords, Blood Brothers) die sich regelmäßig zum gemeinsamen Feierabendbier treffen und über ihr Leben philosophieren. Eines Tages erhalten sie von einem mysteriösen alten Mann ein Stück Gold und den Hinweis, dass es noch mehr davon gibt. Der Rest davon befindet sicht jedoch in einer geheimen Kammer unterhalb des Legislative Council Building – dem Hong Konger Regierungssitz. Die drei beschließen das Risiko einzugehen und den Schatz zu bergen! Dies gestaltet sich jedoch schwieriger als erwartet. Zum einen ist eine Gangsterbande vom Festland nicht allzu glücklich darüber, dass Ah Fai den versprochenen Fahrer für einen Coup nicht stellen kann – ein Part den eigentlich Boo Sam hätte übernehmen sollen. Der andererseits hat wiederum Probleme mit seiner zweiten Ehefrau Ling (Kelly Lam Hei-Lui - After This Our Exile, Running Out Of Time II) die ihn gemeinsam mit ihrem Liebhaber, dem zwielichtigen und skrupellosen Polizisten Wen (Gordon Lam Ka-Tung - Infernal Affairs, Exiled), nach dem Leben trachtet. Doch der Einbruch in das LegCo-Building gelingt letztendlich und die drei entdecken einen alten Sarg, der eine antike Robe aus purem Gold enthält. Kaum ist der Schatz geborgen, steigt auch das gegenseitige Misstrauen.
Nach dem Coup darf nun Ringo Lam Ling-Tung (City On Fire, The Suspect) ans Werk. Im Antiquitätenladen von Mok wird die Robe verwahrt, und dieser bemüht sich um einen Käufer für das wertvolle Stück. Ah Fai hat derweil seine liebe Not, den gehörnten Gangstern aus dem Weg zu gehen und Ling und Wen machen sich nun daran Boo Sam zu beseitigen. Als Wen nun Boo Sam in Mok’s Laden überwältigt, erfährt er von der kostbaren Robe und verschwindet mit dieser und Boo Sam. Unglücklicherweise lässt er Boo Sam ans Steuer seines Wagens, was ihm eine spektakuläre Hochgeschwindigkeitsfahrt über Hong Kong Island und eine Platzwunde am Kopf einbringt. Dermaßen überwältigt konfrontiert Boo Sam seine Frau auf einem verlassenen Fabrikgelände mit ihrer Affäre!
An Johnnie To Kei-Fung (Running Out Of Time, Heroic Trio) liegt es nun das große Finale zu inszenieren. Nachdem Wen fliehen konnte und die Gangsterbande nun ebenfalls hinter der Robe her ist, wird die Hatz danach jäh dadurch unterbrochen als der tumbe und zugedröhnte Fat Bo (kein Johnnie To-Film ohne Lam Suet - Divergence, Dog Bite Dog) die Autos der einzelnen Parteien mitten im Nirgendwo durch Nägel auf der Straße außer Gefecht setzt. Das ganze gipfelt in einer bleihaltigen Konfrontation in einem nahegelegenen Imbiss mitten im hohen Schilfgras und der Entscheidung zwischen Überleben, Reichtum oder Freundschaft...

Da es zwischen den Regisseuren keinerlei Absprachen über die Geschichte gab, sondern jeder einfach da weitererzählt, wo sein Vorgänger aufgehört hat, darf das Experiment getrost als geglückt betrachtet werden, auch wenn das Ergebnis dadurch etwas unrund wirkt. Dies liegt daran, dass jeder der drei Regisseure mit seinem eigenen Team an seinem jeweiligen Segment gearbeitet hat, und demzufolge natürlich auch seinen eigenen Stil mit eingebracht hat, der jeweils klar erkennbar ist.
Als klarer Favorit unter den einzelnen Segmenten darf sich getrost Ringo Lam bezeichnen, der im Mittelteil eine sehr spannende und straff inszenierte Fortführung der Geschichte abliefert. Tsui Hark hat das Problem, dass er in knapp dreißig Minuten das gesamte Figureninterieur vorstellen – was auch entsprechend knapp ausfällt – und einen kompletten Raubzug samt Widersachern umsetzen muss. Eigentlich schon alleine Stoff für einen eigenständigen Film. Insbesondere die Motivation des Alten, unsere drei Freunde in sein Geheimnis einzuweihen, bleibt leider komplett unklar. Johnnie To lief dann zum Schluss scheinbar auf Au"To"pilot (haha). Wirkt seine Sequenz doch frappierend wie die entsprechenden Shootout- bzw. Verfolgungsszenen in Exiled und Election ohne jedoch deren Spannung und Intensität zu erreichen! Dazu lässt er den armen Lam Suet noch gnadenlos overacten, was das ganze nicht unbedingt aufwertet.
Bei der experimentellen Herangehensweise an die Umsetzung hat man sich auf Seiten der Akteure – verständlicherweise – für lauter Routiniers entschieden. Simon Yam als betrogener nicht aber nicht zu unterschätzender Ehemann überzeugt genauso, wie Louis Koo als etwas einfältiger Taxifahrer. Stoisch ruhender Pol des Dreigespanns ist Sun Honglei. Auch sonst gibt es keine Beanstandungen. Einzig und allein der overactende Lam Suet fällt – leider – etwas negativ auf.
Das nächste Mal eine etwas bessere Absprache bezüglich des Skriptes und das Meisterwerk der Meister kann kommen. Triangle geht bis dahin jedenfalls als gute Fingerübung durch!

Bewertung